TauchenInÄgypten
Elphinstone Riff: Wo Ozeanische Weißspitzenhaie auf dich warten
Zurück zur Übersicht
Tauchspots 01. April 2024 Jonas 8 Min. Lesezeit

Elphinstone Riff: Wo Ozeanische Weißspitzenhaie auf dich warten

Weit draußen im Roten Meer, 35 Kilometer vor Marsa Alam, liegt ein zigarrenförmiges Offshore-Riff, das zu den aufregendsten Haitauchgängen der Welt zählt – das Elphinstone Riff.

Auf einen Blick

  • Lage: Ca. 35 km nördlich von Marsa Alam, Südliches Rotes Meer
  • Form: Zigarrenförmig, ca. 150 m lang
  • Tiefe: 25–80 m und tiefer (Offshore-Riff)
  • Schwierigkeit: AOWD+ – nur für erfahrene Taucher
  • Strömungen: Mittel bis sehr stark möglich
  • Anreise: Ca. 2 Std. per Boot von Marsa Alam oder Liveaboard
  • Beste Haichancen: September bis November (Südplateau)

Das Riff am Ende der Welt

Das Elphinstone Riff liegt etwa 35 Kilometer nördlich von Marsa Alam im offenen Wasser des Roten Meeres – weit genug vom Festland entfernt, um eine eigene Welt zu sein. Das zigarrenförmige Korallenplateau ist rund 150 Meter lang und kaum 30 Meter breit, fällt aber an seinen Flanken senkrecht ins tiefe Blau ab. Die Tiefen unter 80 Metern erzeugen aufsteigende Nährstoffströme, die das Elphinstone zu einem der produktivsten Riffe im gesamten Roten Meer machen.

International bekannt wurde das Elphinstone Riff, als Anfang der 2000er-Jahre Berichte über regelmäßige Begegnungen mit ozeanischen Weißspitzenhaien (Carcharhinus longimanus) Taucher aus aller Welt anlockten. Seitdem zählt es zu den besten Spots weltweit, um diese pelagischen Raubfische in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben.

Der Star: Der Ozeanische Weißspitzenhai

Der ozeanische Weißspitzenhai (englisch: Oceanic Whitetip Shark) ist eine der urtümlichsten Haiarten der Ozeane. Früher zählte Jacques Cousteau ihn zu den häufigsten pelagischen Haien weltweit – heute ist die Art durch Überfischung auf der Roten Liste der IUCN als „gefährdet" eingestuft. Das macht jede Begegnung am Elphinstone zu einem seltenen und wertvollen Naturerlebnis.

  • Typische Körperlänge: 1,5–2 m (selten bis 3 m)
  • Erkennungszeichen: Abgerundete Flossen mit weißen Spitzen
  • Verhalten beim Tauchgang: Neugierig, kreisend, oft in Begleitung von Pilotfischen
  • Beste Sichtungschancen: September bis November am Südplateau
  • Empfohlener Sicherheitsabstand: Mindestens 2–3 m, kein plötzliches Bewegen

Profi-Tipp von Jonas

"Wenn ein Weißspitzen-Hai näherkommen will, bleib ruhig und halte die Gruppe zusammen. Diese Haie sind von Natur aus neugierig, aber zeigen kein aggressives Verhalten gegenüber Tauchern. Der häufigste Fehler: Taucher schwimmen panisch weg – das signalisiert Beute. Einfach locker im Wasser bleiben, Blickkontakt halten und den Hai vorbeiziehen lassen. Das ist ein unvergessliches Erlebnis."

Nord- und Südplateau: Zwei Welten an einem Riff

Das Elphinstone Riff bietet an seinen beiden Enden völlig unterschiedliche Tauchlandschaften:

Nordplateau: Hier wachsen prächtige Weichkorallen und Gorgonienfächer in allen Farben des Spektrums – tiefviolett, orange, gelb. Die Korallendichte ist außergewöhnlich hoch und bietet Fotomotiven ohne Ende. Adlerrochen gleiten regelmäßig vorbei, und in der Tiefe lauern gelegentlich Hammerhaie.

Südplateau: Das ist der Hotspot für Haisichtungen. Von September bis November sammeln sich hier regelmäßig ozeanische Weißspitzen-Haie. Biologen vermuten, dass die Tiere zur Paarung oder auf der Suche nach Beute herkommen. Die Strömungen am Südplateau können stark sein, weshalb gute Flossenkick-Technik und Erfahrung mit Strömungstauchgängen Voraussetzung sind.

Tierwelt abseits der Haie

Wer kein Glück mit Weißspitzen-Haien hat – was selten vorkommt – wird am Elphinstone dennoch belohnt. Das Riff ist reich an:

  • Adlerrochen in Gruppen von bis zu 10 Tieren
  • Riesige Thunfisch-Schulen in der Freiwasserzone
  • Hammerhaie (Sphyrna lewini) gelegentlich in der Tiefe
  • Dugongs: In der Bucht von Marsa Abu Dabbab, wenige Kilometer entfernt, ein absolutes Highlight der Region
  • Wunderschöne Anthias-Wolken über den Gorgonienfächern

Anreise und Voraussetzungen

Das Elphinstone Riff ist ausschließlich per Boot erreichbar – die Fahrtzeit ab Marsa Alam beträgt rund zwei Stunden. Die meisten Anbieter in Marsa Alam fahren das Riff als Tagestour mit zwei bis drei Tauchgängen an. Besser und intensiver ist das Riff per Liveaboard zu erleben, da man mehrere Tauchtage einplanen und auch in der Dämmerung ins Wasser kann.

Wichtig: Das Elphinstone ist kein Anfängerriff. Mindestvoraussetzung ist ein Advanced Open Water Diver-Zertifikat, Erfahrung mit Strömungstauchgängen und mindestens 50 Logbuch-Tauchgänge. Tauchlehrer vor Ort führen ein kurzes Briefing durch und beurteilen, ob die Bedingungen für alle Teilnehmer sicher sind.

Häufig gestellte Fragen

Ist das Elphinstone Riff gefährlich? Bei richtiger Ausrüstung, Erfahrung und professioneller Führung nicht. Die ozeanischen Weißspitzen-Haie sind neugierig, aber nicht aggressiv gegenüber Tauchern. Starke Strömungen können zur Herausforderung werden – deshalb gilt die Mindestempfehlung von AOWD und 50 Logbuchtauchgängen.

Kann ich Elphinstone mit anderen Spots kombinieren? Ja – Marsa Alam bietet auch Ausflüge zu Dugong-Spots wie Marsa Abu Dabbab. Viele Reisende kombinieren 2–3 Tage Elphinstone-Liveaboard mit einem Landaufenthalt in Marsa Alam danach.

Welche Kamera empfiehlst du für das Elphinstone? Da die Haie oft im offenen Wasser und in etwas mehr Distanz erscheinen, ist ein Weitwinkelobjektiv oder Fischeyevorsatz ideal. GoPro-Kameras liefern hier gute Ergebnisse – alternativ eine spiegellose Kamera im Unterwassergehäuse mit Weitwinkel.

Über den Autor

🤿

Jonas

PADI Instructor · Rotes Meer

Seit über 10 Jahren tauche ich im Roten Meer und kenne jeden Spot, jede Strömung. Mein Ziel: dir den perfekten Tauchurlaub zu ermöglichen.

Mehr über Jonas →

Meine Ausrüstung

Passend zum Artikel:

Mares Avanti Quattro+ Flossen

Der Klassiker unter den Geräteflossen. Unverwüstlich und top Vortrieb.