Das Rote Meer ist das Wrackparadies der Welt. Von der SS Thistlegorm bis zur Salem Express: Diese Wracks musst du getaucht haben – mit allen Fakten, Tiefen und Sicherheitstipps.
Auf einen Blick
- Das Rote Meer: Weltbeste Wracks durch hohen Salzgehalt (40-42 Promille) und Sichtweiten bis 30m
- SS Thistlegorm: berühmtestes Wrack der Welt, 30m Tiefe, WWII-Kriegsmaterial
- Salem Express: emotional und historisch bedeutsam, 20-30m, vor Safaga
- Brother Islands: Tec-Wracks Numidia und Aida, 80m+, nur per Liveaboard
- Empfohlen: PADI Wreck Diver Specialty ab 40 Tauchgängen
Warum ist das Rote Meer das Wrackparadies der Welt? Drei Faktoren machen es einzigartig: Erstens der extrem hohe Salzgehalt von 40-42 Promille (Nordsee: 32 Promille), der Metall und organisches Material konserviert wie kaum ein anderes Meer. Zweitens die legendäre Sichtweite von oft 20-30 Metern, die ein Wrack als Ganzes erfahrbar macht. Und drittens die Lage an einer historischen Schifffahrtsroute – zahlreiche Schiffe aus dem Zweiten Weltkrieg und der Kolonialzeit liegen hier in makellosem Zustand auf dem Meeresgrund.
1. SS Thistlegorm – Das berühmteste Wrack der Welt
Wenn Taucher weltweit nach dem besten Wrack gefragt werden, nennen die meisten die SS Thistlegorm. Der britische Frachter wurde am 26. Oktober 1941 von deutschen Heinkel He-111-Bombern versenkt, während er im Golf von Suez lag. An Bord: kriegswichtiges Material der britischen Armee. Über 80 Jahre später liegt er in 30 Metern Tiefe – und ist noch genauso gefüllt wie am Tag seines Untergangs.
Im Laderaum findest du BSA-Motorräder, Bedford-Lastwagen, Bren-Carrier-Panzerfahrzeuge, Flugzeugteile, Gewehre und Munition. Am Heck stehen zwei komplette Dampflokomotiven übereinander gestapelt – eine der surrealistischsten Unterwasserszenerien, die ich je erlebt habe. Das Wrack liegt im Sha'ab Ali Riff, erreichbar in etwa 1,5 Stunden von Sharm el-Sheikh oder Hurghada. Empfohlene Tiefe: 16-33 Meter. Mindestens AOWD für das Eindringen in die Laderäume.
2. Salem Express – Tragisch, bewegend, unvergesslich
Die Salem Express ist das emotionalste Wrack des Roten Meeres. Die Fähre sank in der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 1991 auf dem Weg von Dschidda nach Safaga, nachdem sie ein Riff rammte. Offizielle Zahlen nennen 470 Todesopfer, viele Experten gehen von über 1.000 Opfern aus – Pilger, die von der Hadsch zurückkehrten. Das Wrack liegt bei 20-30 Metern vor Safaga. Aus Respekt vor den Opfern ist das Eindringen in das Wrackinnere verboten. Schon der Außenbereich ist bewegend genug: Schuhe, Koffer, persönliche Gegenstände liegen im Sand verstreut.
Profi-Tipp von Jonas
Bei der Salem Express: Nimm dir Zeit, hetz nicht durch. Schwimm langsam am Rumpf entlang und beobachte die Stille. Ich habe dort zum ersten Mal unter Wasser geweint – und das sage ich als jemand mit über 500 Tauchgängen. Dieser Ort verdient Würde und Respekt.
3. Numidia & Aida an den Brother Islands
Big Brother Island beherbergt gleich zwei spektakuläre Wracks: die Numidia (gesunken 1901) und die Aida (gesunken 1957). Beide Schiffe sind steil abfallend an der Riffwand verkeilt – die Numidia reicht von 8 Meter Tiefe bis tief in den blauen Abgrund auf über 80 Meter. Nur erfahrene Tec-Taucher können die tieferen Bereiche erkunden. Beide Wracks sind nur per Liveaboard erreichbar (ca. 80 km vor der Küste). Hammerhaie, Silberspitzen-Riffhaie und Ozeanische Weißspitzen umkreisen die Wracks regelmäßig.
4. Dunraven – Der zugängliche Klassiker
Das Dampfschiff Dunraven sank 1876 beim Sha'ab Mahmoud Riff. Es liegt auf dem Kopf in 18-28 Metern Tiefe – zugänglich auch für Einsteiger. Die über 140 Jahre alte Struktur ist vollständig von Korallen überwachsen, bietet Glasfischen, Rotfeuerfischen und Muränen Lebensraum und ist durch seine Schräglage besonders fotogen.
5. Ulysses – Perfekt für Einsteiger
Das Ulysses-Wrack vor Sharm el-Sheikh liegt in nur 20 Metern Tiefe – ideal für den ersten Wracktauchgang. Das Frachtschiff ist aufrecht auf dem Grund, strukturell intakt und bietet sicheres Eindringen ohne spezielle Ausrüstung. Lebendiger Korallenbewuchs und viele Fische machen es zum perfekten Einstieg ins Wracktauchen.
Ausrüstung & Sicherheit beim Wracktauchen
- Primäre und Backup-Lampe: Im Wrack herrscht komplette Dunkelheit. Zwei Lampen sind Pflicht.
- Führungsleine (Spule): Damit du jederzeit den Weg zurück findest – auch wenn Aufwirbelungen die Sicht auf null reduzieren.
- SMB (Surface Marker Buoy): Signalboje für den Aufstieg, damit das Boot weiß, wo du auftauchst.
- Rule of Thirds: Ein Drittel Luft rein, ein Drittel raus, ein Drittel Reserve – niemals davon abweichen.
Ich empfehle dringend den PADI Wreck Diver Specialty-Kurs, bevor du in ein Wrack eindringst. In zwei Tagen lernst du Navigationstechniken, Sicherheitsprozeduren und den richtigen Umgang mit Führungsleinen. Gut investierte 150-200 Euro, die im Ernstfall Leben retten können.
